Gegen den Optimierungswahn: „Du musst gar nichts“
Ein Buch zur richtigen Zeit
Es ist Anfang Januar. Die sozialen Medien sind voll mit Hashtags wie #NewYearNewMe, Fitness-Studios werben mit Sonderangeboten, und die Regale der Buchhandlungen biegen sich unter Titeln wie „Entfalte dein volles Potenzial“ oder „Die 7 Schritte zum besseren Ich“. Überall wird uns suggeriert: Du bist nicht genug. Aber du könntest es werden – wenn du nur an dir arbeitest. Wenn du die richtige Morgenroutine hast. Wenn du produktiver wirst. Wenn du mehr aus deinem Leben machst.
Genau in diese Kakophonie der Selbstverbesserungsversprechen hinein erscheint bei uns in unserer Edition Stadtfuchs ein Buch, das radikal anders ist: „Du musst gar nichts“ von Martin Brunner.
Ein Anti-Ratgeber, der wirklich hilft
Martin Brunners Buch ist kein klassischer Ratgeber – im Gegenteil. Es ist ein Anti-Ratgeber, der uns von den Ratgebern befreien will. Wo andere Bücher uns Schritt-für-Schritt-Anleitungen geben, wie wir bessere Menschen werden können, sagt Brunner: Du bist schon gut genug. Du musst nicht trainieren. Du musst nicht meditieren. Du musst nicht dankbar sein. Du musst nicht mal Ziele haben.
Das klingt zunächst nach einer Einladung zur Faulheit, ist es aber nicht. Brunner geht es nicht darum, dass wir gar nichts tun sollen. Es geht ihm darum, dass wir aufhören, uns selbst als permanentes Optimierungsprojekt zu begreifen. Dass wir nicht jeden Lebensbereich – Ernährung, Schlaf, Beziehungen, Freizeit, sogar unser Denken – unter dem Gesichtspunkt der Produktivität und Effizienz betrachten müssen.
Die Selbstoptimierung als Industrie
Brunner analysiert präzise, wie aus dem berechtigten Wunsch nach einem guten Leben eine regelrechte Industrie geworden ist. Coaching-Programme, Produktivitäts-Apps, Habit-Tracker, Online-Kurse – ein Milliardenmarkt, der davon lebt, uns permanent einzureden, wir wären noch nicht gut genug. Der uns verkauft, dass Glück planbar ist, dass Erfolg eine Frage der richtigen Technik ist, dass wir nur genug an uns arbeiten müssen.
Das Perfide daran: Diese Industrie nutzt unsere Ängste und Unsicherheiten. Sie verspricht uns Kontrolle in einer unkontrollierbaren Welt. Und wenn es dann doch nicht klappt mit dem besseren Leben? Dann haben wir eben nicht hart genug an uns gearbeitet. Das System bleibt unangetastet.
Kapitel, die befreien
Die Kapitelüberschriften von „Du musst gar nichts“ lesen sich wie eine Provokation für alle, die gerade ihre Vorsätze fürs neue Jahr formulieren:
- Du musst nicht produktiv sein
- Du musst nicht für deine Arbeit brennen
- Du musst nicht dankbar sein
- Du darfst ohne Ziel leben
- Du musst dich nicht selbst verwirklichen
Jedes dieser Kapitel dekonstruiert einen zentralen Mythos der Selbstoptimierungskultur. Brunner zeigt, woher diese Imperative kommen, wem sie nutzen – und was sie mit uns machen. Er schreibt dabei nicht als abgehobener Theoretiker, sondern als jemand, der selbst in der Optimierungsfalle steckte.
Ein Buch, das nichts von uns will
Das vielleicht Bemerkenswerteste an „Du musst gar nichts“ ist, dass es tatsächlich hält, was es verspricht: Es formuliert keine neuen Anforderungen an uns. Es gibt uns keine Übungen mit. Es will nicht, dass wir Listen führen oder Tagebuch schreiben. Es fordert uns nicht auf, jetzt besonders achtsam oder besonders entspannt zu sein.
Das Buch ist einfach da. Man kann es lesen. Man kann darüber nachdenken. Oder auch nicht. Es nimmt den Druck raus, statt ihn zu erhöhen. Und gerade in einer Zeit, in der uns von allen Seiten gesagt wird, was wir tun, fühlen und werden sollen, ist das eine echte Erleichterung.
Für wen ist dieses Buch?
„Du musst gar nichts“ ist für alle, die genug haben vom permanenten Selbstverbesserungsdruck. Für alle, die erschöpft sind von Morgenroutinen und Produktivitäts-Hacks. Für alle, die sich fragen, warum sie trotz aller Optimierung nicht glücklicher werden. Und für alle, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen – von anderen, aber vor allem auch von sich selbst.
Überall, wo es Bücher gibt.
Stadt München folgt Amanda an die Fahrradständer ;-)
Gute Ideen entstehen meist nicht nur in einem einzigen Kopf! Umso mehr freuen wir uns, dass die Stadt München einen (weiteren) Schritt für das Radfahren in der Stadt tut und sich wie Amanda um die Aufwertung von Schrotträdern für den umweltfreundlichen Genussverkehr kümmert, wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung berichtet:
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Amanda Semmelweich liebt Fahrräder: Ob alt oder modern, sportlich oder bequem – am liebsten lässt sich Amanda auf dem Rad den Fahrtwind um die Nase wehen. So kann sie gar nicht verstehen, warum so viele andere Menschen mit dem Auto unterwegs sind: Vielleicht wissen die gar nicht, wie schön Rad fahren sein kann? Oder es ist ihnen zu umständlich? Und warum stehen eigentlich so viele kaputte Fahrräder herum, um die sich niemand kümmert?
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